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Angesichts steigender Krankheitstage diskutiert das Parlament über eine Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht. FMH-Präsidentin Yvonne Gilli sieht keinen Handlungsbedarf.
Die Thurgauer SVP-Nationalrätin und Unternehmerin Diana Gutjahr will mit einer Motion gegen mögliche Gefälligkeits-
zeugnisse vorgehen und fordert eine Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht. «Es geht nicht darum, die Diagnose zu kennen, sondern zu erfahren, welche Arbeitstätigkeiten wieder möglich sind und welche nicht», sagte sie gegenüber «SRF News». Vorgeschlagen wird eine arbeitsplatzbezogene Aufhebung der Schweigepflicht, damit Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Ärzte schneller gemeinsam nach Lösungen suchen können.
Auch der Neuenburger FDP-Nationalrat Philippe Nantermod verlangt, dass der Bundesrat Massnahmen gegen falsche oder fahrlässig ausgestellte Arztzeugnisse prüft. Ärztinnen und Ärzte könnten demnach verpflichtet werden, Arbeitgebern funktionelle Einschränkungen mitzuteilen, soweit diese für die Arbeitsfähigkeit relevant sind. Diagnosen oder Krankengeschichten sollen weiterhin geschützt bleiben.
Auslöser der politischen Diskussion war unter anderem eine Recherche des Westschweizer Senders «RTS» vor einigen Jahren; diese zeigte, dass einzelne Ärzte unbekannten Personen nach wenigen Minuten ein Arztzeugnis ausstellten – teilweise für mehrere Wochen Arbeitsunfähigkeit.
Bundesrat lehnt ab
Der Bundesrat lehnt eine Lockerung der Schweigepflicht jedoch ab. Die bestehenden gesetzlichen Instrumente reichten aus, um gegen missbräuchliche Arztzeugnisse vorzugehen.
Arbeitgeber könnten etwa eine vertrauensärztliche Untersuchung verlangen oder ein Attest bereits ab dem ersten Krankheitstag einfordern. Zudem dürfen Ärztinnen und Ärzte schon heute mit Zustimmung der Betroffenen Angaben zur Arbeitsfähigkeit machen.
Auch die Ärztegesellschaft sieht keinen Handlungsbedarf. FMH-Präsidentin Yvonne Gilli betont, ärztliche Zeugnisse seien Urkunden. «Werden sie falsch ausgestellt, ist das ein Straftatbestand und kann entsprechend geahndet werden», sagte sie in der «SRF-Sendung».
Absenzen nehmen zu
Die Debatte fällt in eine Zeit steigender krankheitsbedingter Absenzen. Laut dem Schweizerischen Gesundheitsobservatorium (Obsan) stieg die durchschnittliche Dauer krankheits- und unfallbedingter Abwesenheiten von 44,3 Stunden im Jahr 2010 auf 59,1 Stunden im Jahr 2024 – rund 8,5 Arbeitstage pro Vollzeitstelle.
Für die Wirtschaft sind solche Ausfälle teuer. Die krankheitsbedingten Produktivitätsverluste – inklusive Absenzen, Präsentismus und Invalidität – werden in der Schweiz auf rund 70 Milliarden Franken pro Jahr geschätzt.